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Das Fritz Brinckmann Buch 54

April 23, 2018

54. Kapitel

19.1.1978

Wie senkte sich gestern gegen Nachmittag, Stunde um Stunde, wie eine dröge Todesmetapher die Uni-Betonlandschaft über  meine Stirn...

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Das Fritz Brinckmann Buch 58

21.05.2018

58. Kapitel

 

 22.1.1978

 

Aufwachen, hochfahren, an die Stirn fassen: oh Gott. What a crime. Eine gefällte Jungfrau mehr in meinem Leben. Wenn sie etwas erzählt und sich dabei freut, hat sie einen debilen Gesichtsausdruck, und die Sätze werden durch die verzogenen Lippen zu gelispelten Deformationen. Ihr Gesicht ist fleischig. Von einer feinen Haut, die sich über die Backenknochen spannt, kann nicht gesprochen werden. Die tolle Figur wiederum sieht vor allem toll aus, ist aber ungewohnt beim Anfassen. Sie hat den doppelten Brustumfang Anneroses, und sie ist, wenn sie ihre Stiefel anhat, mit mir in Augenhöhe, d.h. hier kann keiner den anderen "liebhaben", man steht sich koloßartig gegenüber.

 

Nun aber das Schlimmste, vielleicht das einzig Schlimme: sie tanzt unbeholfen. Das Tanzen ist ja ein Code für Bettverhalten, und mir wurde schlagartig klar, daß es mit ihr alle möglichen Orgasmen, aber keinen Spaß geben würde. Es ist die Wahrheit: von der ersten Sekunde an, da sie auf der Tanzfläche erschien, war es für mich klar, war die Freundschaft für mich gelaufen.

 

Dennoch machte ich weiter, trank viel, schüttelte immer wieder Peinlichkeiten und Erstarrungen ab, leierte ununterbrochen Gespräche an, zu zweit, zu dritt, zu viert, holte sie weiter zum Tanzen, holte sie zum Spazierengehen, zu dieser und jener Ablenkung. Dabei stellte ich Fragen über Fragen, vollführte Wiederbelebungsversuche, flößte ihr Alkohol ein, bla bla bla bla, der Dienst im Altersheim kann nicht schlimmer sein. (Ach ja, der "Erfolg": sie ist verliebt und möchte mich nie, nie, nie mehr verlassen. It's a crime!)

 

Nun gibt es aber doch ein Vorkommnis, das den ganzen Abend rechtfertigt: tatsächlich gerate ich durch Elenor in Jungmädchenkreise hinein und entdecke hier und da, im Verhältnis 1:15, etwas Feines. Gestern: Fünfzehn Gurken und eine Sensation, eine Lolita. Ein kleines Teufelchenl Überfallartige Bewegungen, aggressives Auftreten. Ich stehe zum Beispiel hinter ihr, da dreht sie sich blitzschnell um, umfaßt mich kurz, sagt keck-unschuldig, daß ihr mein Anzug gefalle und geht weiter, freundlich.

 

Es hatte an diesem Abend, bevor ich kam, einen Skandal gegeben: ein Liebhaber dieses Mädchens war erschienen und wurde vom Gastgeber, der offiziell mit ihr zusammenwar, rausgeworfen. Ja, sie war eine Provokateurin, das sah man sofort, das erste, was ich von ihr sah, war ihr Tablettauftritt. Sie drängte in den Raum, Tablett auf der linken Hand, und stopfte jeder der sitzenden Gurken ein Brötchen in den Mund und fluchte dabei.

 

"Das ist eine, die die Männer zugrunderichtet", sagte ich zu Elenor, und diese machte ihr unfreiwillig das Kompliment: "Ich finde sie so sehr unsympathisch, ich mag sie ÜBERHAUPT nicht, ich hasse sie!"

 

Ich werde versuchen, mit ihr zusammenzukommen. Daher geht es auch mit der trüben Elenor weiter, noch eine Woche.

 

Die schöne Kolltochter dagegen, die mein Verhalten (sie anzulügen mit den Seekampangaben) schrecklich fand und nichts mehr verstand... ist mir nur noch ein Anachronismus. Tumbe Ästhetik, großväterliche Schwärmerei, nein, den kleinen Satan will ich, hehe.

 

 

 

 

 

 

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