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Das Fritz Brinckmann Buch 54

April 23, 2018

54. Kapitel

19.1.1978

Wie senkte sich gestern gegen Nachmittag, Stunde um Stunde, wie eine dröge Todesmetapher die Uni-Betonlandschaft über  meine Stirn...

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Das Fritz Brinckmann Buch 68

02.08.2018

68. Kapitel

 

20.2.1978

 

In der Nacht von gestern auf heute gelang es mir erstmalig, Diedrich und Nici, aus einem Versteck heraus, zu belauschen. Ich hatte laut "Tschüß!“ gerufen und die Tür zugeknallt, war aber in Wirklichkeit in der Wohnung geblieben. Ich hockte in der dunklen Küche und nickte für kurze Zeit ein, dann schlich ich in das Zimmer, aus dem die Stimmen kamen.

 

Diedrich und Nici lagen auf dem Bett und bemerkten mich nicht. Sie hatten die Gesichter einander zugekehrt. Sie sprachen leise, aber ich verstand alles, da ansonsten alles still war. Nur die Uhr tickte. Draußen fuhr ein letztes Auto vorbei und bewegte zwei Lichtkegel an der Decke. Diedrichs Gesichtszüge wirkten seltsam starr. Er konzentrierte sich, dachte nach, wollte etwas Bestimmtes aussprechen, hatte aber das richtige noch nicht gefunden. Eine längere Pause entstand. Dann sagte er:

 

„Du, Nüßchen, glaubst du eigentlich an einen Sinn, an irgendeinen Sinn, den dein Leben hat?

Nici: „Ich weiß nicht ... irgendwie ... nein, ich weiß es nicht. Glaubst du denn, daß ich es tue,“ Diedrich: „Nein, natürlich nicht, aber an irgendwas glaubt doch jeder, und ich dachte, wir sollten uns gut genug kennen, um auch in diesem Punkt ehrlich zu sein, ich meine, wenigstens untereinander, also irgendwie meine ich, wollte ich damit nur sagen, daß –

Nici: "Kennen wir uns gut, ja? Kennen wir uns wirklich? Bist du sicher, daß du mich kennst? woher willst du wissen, ob du –

Diedrich: „Ich - ich - kenn dich vielleicht gar nicht, aber wer kennt schon den anderen, wenn Gefühle im Spiel sind, aber trotzdem kann man versuchen, ehrlich an die Sache ranzugehen, ich meine, was heißt ehrlich, ich meine –

Nici: „Ja, was zum Teufel heißt ehrlich? Und was soll es nützen? Ist es nicht letzten Endes Zufall, daß wir beide hier und jetzt auf diesem Bett liegen, in dieser nordeuropäischen Millionenstadt, zwei Generationen nach dem Krieg?“

Diedrich: "Ja, wenn man bedenkt, was das für ein Pünktchen ist, dieses Haus. diese Wohnung, auf dieser Erde, und die Erde ist wieder nur ein Pünktchen in der Milchstraße, und die Milchstraße nur ein Pünktchen im Universum ..."

Nici: „Ja, ob eigentlich das alles so entstanden ist oder ob wirklich so einer, so ein Gott, also Gott eben, das gemacht hat?“

Diedrich:"Eichhörnchen, ich frage mich das auch oft ... ich _ ich weiß es nicht, glaube ich …“

Nici: "Ich weiß es auch nicht, manchmal denk ich, 's war doch Gott, aber ...“

Diedrich: "Manchmal denk ich, das is eigentlich alles ein einziges großes Kunstwerk, dieses ganze Universum, die Erde, die Städte, alles…“

Nici: „Ja, kommt darauf an, wie du Kunst definierst.“

Diedrich: „Ja, was ist Kunst, da könnte man nun viel sagen."

Nici: „Sagen tust du ja viel. Wäre Lojo hier oder sonstwer, würdest du jetzt loslegen.“

Diedrich: „Ja meinst du, ich glaube daran?“

Nici: „An was?"

Diedrich: „An alles, was ich sage!“

Nici: „Ich weiß nicht ... manchmal ja ... manchmal nein. Glaub ich. Und wie ist es mit dir, glaubst du daran oder nicht?.“

Diedrich: "Ich - ich - weiß nicht. Wirklich keine Ahnung."

Nici: „Ist ja auch egal, ist ja sowieso alles absurd. Gib mir einen Kuß. Liebe ist wichtiger.“

Diedrich: „Ja, ich hab dich lieb. Du mich auch?“

Nici: „Wenn du unter Liebe ... naja, was ist das denn, Liebe?“

Diedrich: „Mach keine Witze, Kätzchen!“

Nici: „Klar hab ich dich lieb.“

Diedrich: „Weil ich so einen hübschen Entenschnabel habe?“

Nici: „Weil du so klug bist.“

Diedrich: „Mal im ernst: warum eigentlich liebst du mich, Nici?“

Nici: „Ich liebe dich, weil ... weil ... vielleicht weil du – Nein, ich, ich weiß es nicht. Weißt du es denn?.“

Diedrich: „Ah ... ach, Süßi, lassen wir die schweren Fragen, Warum müssen wir denn unbedingt reden.“

Nici: "Du hast recht, was sind schon Worte."

 

Sie sagten nun nichts mehr, sondern vollführten mit ihren Mündern niedliche Schmatzbewegungen und -geräusche. Sie rieben die Nasen aneinander und faßten sich an den Händen. Ich hielt es für schicklich, die Wohnung endlich zu verlassen.

 

 

 

 

 

 

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