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Das Fritz Brinckmann Buch 54

April 23, 2018

54. Kapitel

19.1.1978

Wie senkte sich gestern gegen Nachmittag, Stunde um Stunde, wie eine dröge Todesmetapher die Uni-Betonlandschaft über  meine Stirn...

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Das Fritz Brinckmann Buch 76

25.09.2018

76. Kapitel

 

27.3.1978

 

Osterspaziergang mit Bruder Eckart

 

E.: Was mich immer wieder bedrückt, ist die Diskrepanz zwischen Buchwelt und Weltwelt.

Ich: Du meinst, wenn du ein Buch gelesen hast und -

E.: Genau. wenn man dann merkt, daß das alles nur Kompensation -

Ich: Diskrepanz! Man muß es dazu nicht kommen lassen, muß die Welt mit den Augen des Buches sehen.

E.: Das geht bei Sachen, Straßen, Städten, nicht bei Menschen. Und wenn doch, so setzt es Kühle voraus.

Ich: Ja.

E.: So dient Literatur dazu, Sehnsüchte abzubauen.

Ich: Ja. Unstillbare Sehnsüchte. Das ist ein Verdienst. Der 2.03 Meter große Ulf Bertheau, darunter leidend, kein Mädchen zu kriegen, liest Benn, fühlt sich als Benn und -

E.: - und verachtet die Mädchen, statt sie zu begehren. wie unmenschlich.

Ich: Unmenschlich? Es kommt darauf an, was herauskommt, egal wie unmenschlich es ist. Ulfs Benn-Adaption ermöglicht es ihm durchzuhalten und Bankdirektor zu werden.

E.: Aber lieber würde er -

Ich: Mit fett-tittigen Sekretärinnen in Plastikpullovern vögeln, auf der Toilette, und das gilt es zu verhindern.

E.: Nein, das ist es, was er will, das ist es, haha! Verklemmter Heini!

Ich: Soll er's machen, wenn er Direktor ist.

E.: Ja, ja, genau so läuft es. Mit rotunterlaufenen Augen und rasselnder Lunge greift er dann in die Vollen. Viel Spaß, da lob ich mir meinen Kreuzberger Sponti, der ist nicht so pervers.

Ich: Du vergißt immer wieder, daß Ulf, so wie er aussieht, überhaupt kein Mädchen kriegt. Also was soll er machen. sich nach dem Dienst besaufen und Komplexe krie -

E.: Lehre hinschmeißen, Haare wachsen lassen, mit Leuten quatschen, sehen, daß auch andere Probleme haben -

Ich: Selbsterfahrungsgruppe, Drogenexperimente, Wohngemeinschaft -

E.: Genau. lieber Bruder. Er wird dann zwar kein Direktor und kein Spezialist, sprich Fachidiot, sondern -

Ich: Ich weiß schon. Und ich hätte eine interessante Figur weniger in .

E.: Dein Pech. Hauptsache, es geht ihm gut.

Ich: Noch eine Frage: Dir wäre es sogar lieber ...

E.: Ja, er wäre mir als Sozialarbeiter lieber.

Ich: Aber - - 

E.: Wiederholungsekel, inhaltlich, merke ich nicht, sobald ich einen Menschen vor mir habe. Bei Sachen, Filmen, Büchern, Seminaren: ja. Aber nicht bei Menschen. Ich höre: `Isolation aufknacken', sehe aber: leuchtende Augen.

Ich: Gut, kein Wiederholungsekel. Aber reicht das? Auch der Geist will befriedigt sein, und dann braucht man Leute, die mehr sagen können als 'Isolation aufknacken'.

E.: Der Preis ist mir zu hoch bei diesen Leuten. Magengeschwüre, Menschenverachtung, Anfälligkeit für Faschismus, Beziehungslosigkeit, spätere Unfähigkeit, mit Frau und Kind natürlich umgehen und kommunizieren zu können, Herzinfarkt und früher Tod.

Ich: Also lieber dumm und alternativ als klug und schweinisch?

E.: Dieser Diedrich ist doch auch so ein Klemmi.

Ich: Ja, ia, auch nur ein Mensch. Und der Ball ist rund, das Spiel hat neunzig Minuten, Schnaps ist Schnaps und Korn bleibt Korn. Ganz in diesem Sinne, lieber Bruder: es lebe die ewige Tautologie.

 

 

 

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