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Port Stanley ist gefallen 9 (komplett)

Ich traf sie dann am nächsten Tag wieder, morgens, um sie zur Arbeit zu fahren. Es war erschreckend, wie schlecht sie aussah. Richtig dick. Anscheinend tat Flum den ganzen Tag nichts anderes mit ihr, als die Restaurants leerzuessen. Er war übrigens Italiener. In Sekundenschnelle räumte er jeden Teller ab. Für den Gegenüber war das unangenehm. In Berlin, das wir mit der Vormittagsmaschine anflogen und mit der Zwanzig-Uhr-Maschine schon wieder verließen, hatte er einmal in meiner Gegenwart für knapp tausend Mark Essensspesen gemacht. Kein Wunder, daß Kim bereits nach einem Tag aus den Nähten platzte. Der erste Arbeitstag hatte ihr arg zugesetzt - die Laune war dementsprechend fürchterlich. Mir selbst ging es leider nicht besser; ich hatte blöderweise die Nacht durchgemacht und einen Artikel geschrieben. Mit Aufputschtabletten im Bauch und der typischen Kater-Horror-Stimmung nach einer Nacht ohne Schlaf, wollte ich mich eigentlich trösten lassen. Daraus wurde nichts.

"Was ist passiert?“ schimpfte Kim.

"Nichts. Ich wollte dich nur... äh, sehen.“

Mit ihr war nicht gut Kirschen essen, das merkte ich sofort. Geduckt eilte ich zur Küche und holte Gläser für den Sekt, den ich mitgebracht hatte. Bloß schnell runter mit dem Alkohol, das beruhigte hoffentlich. Kim trank aber nicht mit. Bei mir hingegen stellten sich nur leichte Bauchschmerzen ein. Wir schwiegen.

„Möchtest du... lesen?“ Ich hielt Ihr die Bildzeitung hin, die ich gekauft hatte. Kim schüttelte den Kopf. Sie war falsch geschminkt und gefiel mir überhaupt nicht. Nachdem sie in Mörderlaune zwei Zigaretten geraucht hatte, forderte sie mich auf, zu fahren:

"Flum ist heute in Brüssel. Ich habe frei. Du kannst mich trotzdem jetzt hinfahren, weil ich zur Personalabteilung muß."

Zwölf Minuten später hieß es dann wieder:

„Adieu!“

Kim stieg aus. Das war es dann. Mehr gab es nicht. Aus und Ende.

"Halt, Gib mir noch eine Chance! Nicht gehen!"

Kim blieb belustigt stehen. Mit quietschender Stimme machte sie mich nach, aber so, daß ich nicht vorstand, was es sollte. Sprach ich so quietschend? Bestimmt nicht. "Gieb mier noch nee Schoongscheo, Beybii" quäkte sie. "Baby" hatte ich sie noch nie genannt. Sie unterstellte mir den Jargon eines Münchener Pubertilen.

„Einen Termin, ein Treffen!" bettelte ich. Wieder quäkte sie nur nach, was ich gebettelt hatte. Ihr war wohl alles zuviel.

„Nur eine Stunde... heute noch!“ drängte ich unerschrocken.

Sie lehnte sich westernhaft ins Fenster und betrachtete mich markig. Der Spott und die Milde eines langen Marlboro-Lebens standen in ihren charaktervollen Zügen.

"Warte um die Ecke, ich bin in zehn Minuten wieder hier“ beschied sie mich und verschwand. War es richtig so? In meinem Zustand gehörte ich ins Bett. Unausgeschlafen produzierte man nur Mist, was man auch anstellte. Etwas Gutes konnte gar nicht entstehen. Als sie zurückkam, sagte ich es ihr. Ich wollte mich zurückziehen.

„Nu, nu. Knallen wir uns eben die Birne voll,“ antwortete sie, .“ich rauche Haschisch und du trinkst Sekt. Machen wir einen Drogen- und Katastrophentag.“

Ich sagte nicht nein. Kim schien es Spaß zu machen, daß ich so entkräftet war. Witterte sie ihre Chance? Womöglich klappte es diesmal, endgültig mit mir Schluß zu machen? Ein vorgezogener Sieg in der Trennungsschlacht, wer weiß“

„Kannst du mir eigentlich Kokain besorgen, Heroin wäre mir auch recht.“

Kim sagte das flapsig-unbekümmert.

"Da müßte ich erst nachdenken.“ Der Schreck hätte größer nicht sein können. Heroin und Selbstmord waren für mich untrennbar ein und dasselbe. Verlegen sah ich einige Sekunden aus dem linken Seitenfenster. Dann fragte ich jovial, wer ihr das mit dem Heroin denn eingeredet hätte.

"Niemand. Es ist einfach eine gute Droge. Ich kenne es doch.“

"Du hast es schon genommen?“

"Vor Jahren, weißt du doch. Habe ich dir doch erzählt.“

"Erzähle es nochmal, bitte...“

"Es war sehr gut, was an den Umständen lag. Chevrolet und so weiter, wunderbar gefedert. Der Dealer hatte mir gesagt, es sei Kokain. Wir fuhren die Sierichstraße entlang – "

"Du kanntest den Dealer?“

„Natürlich.“ Kim lachte über meine kleinbürgerliche Aufgeregtheit.

„Und er gab dir heimlich Heroin, um dich abhängig zu machen?“

"Keine Ahnung. Er war ja selber ein Fixer. Unmittelbar darauf ist er im Gefängnis gelandet. Ein armer Kerl. Der konnte einem wirklich leid tun. Ich hatte ihn fast immer nur erlebt, wie er nichts hatte und vor Entzug am ganzen Körper fror und klapperte.“ Kim lachte wieder.

"Erzähle weiter von dem Heroin-Erlebnis!" gierte ich.

„Ich legte meine Stirn an die Autoscheibe und spürte die Frische und Kühle der Glaskristalle. Alles war gut. Ich, das Universum: gut. Ich wieder im Mutterleib. Wohliges Glück umschloß mich. Und die gute Federung. Die Sierichstraße ist ja sehr lang und hat viele Hubbel...“

Sie hatte in der Stimme keinerlei Begeisterung. Unachtsam und gelangweilt warf sie mir die Brocken zu.

„Ach heute liegt Unheil in der Luft.“ stöhnte ich.

Wie verabredet präparierte sie, als wir in ihrer Wohnung waren, einen Joint, während ich zur Flasche griff und gleichmäßig becherte. Es war der gute Henkell Trocken. Übrigens trank ich erst seit dem Beginn der Trennungseinandersetzungen; vorher war ich Abstinenzler gewesen, nicht aus Prinzip, sondern zufällig. Die vielen Feiern im Büro waren mir natürlich sowieso ein Graus und das Biertrinken am Abend in der Punkkneipe mit Friedrich Friederichsen war mir schon deswegen verhaßt gewesen, weil mich die vielen Betrunkenen abstießen. Zudem wurde mir von den meisten Getränken schlecht, etwa von Bier, Wein, Whisky, Wodka, Sekt. Kim zog, ohne dabei unappetitlich zu saugen, an der Shitzigarette. Weniger beiläufig als sonst, sondern bewußt bösartig, formulierte sie den gemeinen Satz:

„Meinst du nicht auch, daß wir überhaupt nicht zusammenpassen? Daß keiner den anderen kennt und keiner von dem anderen eine Ahnung hat, was ein Mensch das ist?“

Auch ohne Drogen kam ich nun auf den Horror. Die Vorstellung, mich nicht wehren zu können, bemächtigte sich meiner. Ich konnte nur noch sagen:

„Nein, ich finde nicht, daß das so ist.“

Dann fiel ich als Kommunikationspartner aus. Ich setzte mich auf den Boden, in einen Winkel, wo mich Kim nicht sehen konnte. Das Gesicht vergrub ich in den Armen. Sicher war es ein lächerliches Bild. Der Mann als Jammergestalt. Ja, ja, so sahen die Tyrannen aus, wenn man ihnen die Charaktermaske vom Kopf gerissen hatte. Fieberhaft überlegte ich, wie die Situation zu retten war.

Kim stand auf. Ich fürchtete, sie würde mich jetzt hinaussetzen. Tatsächlichc hatte ich Angst vor ihr. Es war mir nicht mehr möglich, ihr unter die Augen zu treten. Wäre sie in die Küche gegangen, wäre ich aber den Balkon geflüchtet.

Dann fiel mir ein, ich könnte einfach nach Hause laufen und sie von da aus anrufen. Telefonieren ging noch. Mein Gesicht bliebe gewahrt.

So sprang ich hoch, griff meine Nazi-Jacke, haspelte:

„Kim, ich muß gehen! Leider! Mir ist so schlecht.“ – und lief fort.


Foto: Lottmann Images

Natürlich rief ich sie nicht an.

Stattdessen nahm ich den alten Wehrmachtskäfer und tuckerte zu Cornelia Wiedorn. Ihr Vater war der Ober-Böse in dem Neue-Heimat-Skandal. Sie selbst spielte Saxophon und wußte von nichts. Von Kindesbeinen hatte man ihr beigebracht, gegenüber der Welt ihres Vaters nicht neuierig zu sein, was wahrscheinlich zu einer allgemeinen Nicht-Neugierde , gesamten Welt gegenüber geworden war: zu einer gewissen Dummheit also. Als Ausgleich dazu war Cornelia zuverlässig und gutartig. Ich wollte sehen, ob sie der Skandal um den von ihr tief geliebten Vater den restlichen Verstand gebracht hatte. Schließlich mochte ich sie gerne, warum wußte ich nicht. Sie fiel mir um den Hals, ziemlich wild, als sie mich sah.

"Na, bin ich wieder dein erster Besuch seit drei Monate," fragte ich. Cornelia verneinte. Seit ihrem Barjazz-Punk-Konzert wurde sie angeblich von vielen Musikern besucht und angerufen.

"Fein. Cornelia, um es gleich hinter uns zu bringen und aus der Welt zu schaffen: die dämliche Sache mit der Neuen Heimat. Wollen wir darüber reden, oder wollen wir es schlicht unter den Tisch fallen lassen? Ich bin nämlich nicht deswegen hier, das weißt du ja. Seit Wochen versuche ich dich zu erreichen. Zweimal war ich nachts da, aber du machst in nie auf.

Blendend siehst du aus, übrigens, wirklich gut. Man hört überhaupt soviel Gutes über dich. Alle reden von deinem Konzert. Und was nun deinen Vater angeht, du weißt, ich kenne ihn gut. Wir sind ja fast befreundet, so kann ich nur sagen: ich habe laut gelacht! Ich fand es großartig!"

Cornelia hatte rabenschwarze Haare, bläuliche weiße Haut, zu große Lippen und braune Augen. Wenn sie lachte, erstarrte ihr Gesichtsausdruck für mehrere Sekunden zu einer dermaßen unbeweglichen Grimasse, daß einem unheimlich wurde. Die Anlässe des Lachens waren ausnahmslos banal, beziehungsweise nicht nachvollziehbar: sie lachte nach dem Be-kenntnis, gerade einen Napfkuchen gebacken zu haben, oder nach der Mitteilung, das Auto sei ihr stehengeblieben, weil sie zu tanken vergessen hätte. Sie lachte dieses fratzenhafte Lachen ohne jeden Ton, was die unheimliche Wirkung noch vorstärkte. Es ging einem durch Mark und Bein, die Ohren fielen einem ab, obwohl man doch nichts hörte. Unser Lieblingsthema war immer schon der Vater gewesen, dessen dubiose Geschäfte mich stets fasziniert hatten. Cornelia nestelte nervös an einem elektronischen, chip-gesteuerten Dosenöffner. Das alte Thema brachte sie diesmal aus der Fassung. Der Skandal war noch mitten im Gange. Gerade hatte der Spiegel mit einer zweiten Titelgeschichte Öl ins Fetter gegossen.

"Die Eltern rufen jeden Tag an und fragen. 'Liebst du uns noch? Bist du noch unsere Tochter?“ Sie sagen, daß ich mich ihrer nicht schämen soll. Wir haben nichts Unehrenhaftes getan, sagt meine Mutter. Ganz im Gegenteil.“

"Und?“ fragte ich scharf. Ich sah sie an, als wollte ich sagen: aber du glaubst doch diesen Schmonzes nicht, was? Wir beide brauchen uns doch nichts vorzumachen, hm?

"Es ist natürlich alles Unsinn, was die Schmierfinken in den Zeitungen schreiben,. sagte Cornelia, „das weiß ich und das sage ich ihnen auch. Die Eltern tun mir wirklich leid. Vor allem meine Mutter hat es schwer, die hat am meisten zu tragen...“

Ich dachte daran, daß diese Mutter einmal, als ich wieder mit ihrem Mann verabredet war, laut gesagt hatte: 'Der will sich wohl ins gemachte Nest setzen.' In meiner Gegenwart! Beinahe wäre ich nicht hingegangen. Ich wußte nichts über diese Frau, weil Cornelia immer nur von ihrem Vater erzählte. Wenn ich sie sah, erschien sie mir wie eine Maschine. Sie war für mich der Inbegriff der menschenverachtenden, alten Bourgoise. Die, wie Stephan Ohr immer sagte, im einen Raum herzlich Kindergeburtstag feierte und im anderen, Sekunden später das Dienstmädchen entließ. Weil der Kakao nicht dunkel genug war. Nun sollte ich selbst sagen, was ich von dem Skandal hielte, forderte mich Cornelia überraschend auf.

"Da muß ich geradeheraus sagen, nicht wahr, also die Zeitungen haben recht, kein Zweifel, machen wir uns nichts vor, nicht wahr. Aber das ist ja das Gute! Der eigene Vater ein totaler Gangster, wunderbar! Das ist fa-bel-haft. Ich beneide dich so. Vier Milliarden Menschen haben normale Väter; nur du nicht. Dein alter Herr hat Größe. Von dem können noch die Urenkel in gemütlichen Stunden am Kamin erzählen. Ganz toll, wirklich."

Cornelia wurde immer nervöser. Meine Antwort hatte ihr einen Stich versetzt. Sie erblödete sich auf einmal, sinnlose Geschichten von Marktfrauen und Tabakshändlern zu erzählen, die versichert hätten, sie glaubten nicht, was in den Zeitungen stünde. Und von Mietern der Neuen Heimat, die schrieben, sie seien mit ihren Wohnungen zufrieden und sie hielten nach wie vor große Stücke... und so weiter: man konnte es kaum mitanhören. Die Geschichten wurden immer triefender. Volkes Stimme war angeblich auf seiten des Gangstervaters. Selbst im Feinkostladen - besser wäre: Delikatessengeschäft - wurde die Mutter noch gegrüßt. Überhaupt die Mutter: sie hatte die bravouröse Losung ausgegeben, ,jetzt 'erst recht' zusammenzuhalten.

"Natürlich, Cornelia. Aber darüber hinaus - interessiert sich denn keiner von euch für die Geschichte selbst? Ich frage nur, weil ich an sich die Sachen so wahnsinnig gerne gelesen habe.“

„Ich habe den Spiegel am vorletzten Montag in die Hand bekommen. Das heißt, ich bin zum Hoheluftbahnhof gefahren, es war schon abends und dunkel, und habe ihn dort gekauft. Und gleich gelesen. Ich fand, es las sich wie ein Roman - im schlechten Sinne. Klischee auf Klischee. Mein Vater sagt dazu: schlechter Journalismus.“

Ich schluckte. Mein geliebter Spiegel!

Cornelia fing sich wieder und wechselte das Thema. Von den Ärmsten der Armen, immerhin fünfhunderttausend, denen der Vater Teile der kargen Rente abgegaunert hatte, ließ sich nicht mehr sprechen, leider. Die gehäuften Millionen, wie hatten sie mich immer interessiert, wie naheliegend wäre es jetzt gewesen, die Schleier zu lüften! Sehen konnte man den Reichtum immer, - aber jetzt hätte man endlich Zahlen nennen können. Wieviel erbte die Tochter? Die Frage war schon deshalb berechtigt, weil der Vater über sechzig und schwer krank war.

"Was machst du so? Du bist doch kein Redakteur mehr?" fragte sie, nach dem ich längere Zeit nicht zugehört hatte.

„Nein. Ich habe aufgehört, als ich zehntausend Mark hatte. Davon sind die ersten fünf sofort vordampft. Die anderen reichen für das nächste halbe Jahr "Ich freue mich... als Redakteur mochte ich dich gar nicht so besonders. Ich fand nicht, daß es dir zu Gesichte stand."

Sie rückte näher und sah mich liebevoll an.

"Ich habe oft an dich gedacht," strahlte sie, "und dich richtig vermißt.“

Ich fiel ihr schnell ins Wort.

„Ja! Da kann ich aber mithalten; ich habe öfters von dir geträumt!"

Das stimmte sogar. Sie war der einzige Mensch, von dem ich öfters träumte, wahrscheinlich der rabenschwarzen Haare wegen. Beunruhigt, das heißt: ratlos darüber, hatte ich längst in Erfahrung gebracht, daß auch andere Hamburger von ihr träumten. Ihr Schneewittchen-Look legte das nahe. Sio fragte nun, wie ich die fünftausend Mark ausgegeben hätte. Ich meinte, das sei in München gewesen.

„Warum bist du bloß so schnell zurückgekommen?“ wollte sie wissen.

„Nach vierzehn Tagen bekam ich Anrufe, daß es Kim so gut gehen sollte.

"Wie gemein!" rief Cornelia betroffen.

"Ja, unglaubliche Anrufe. Selbst mein Freund Stephan Ohr teilte mir mit, er habe Kim nicht wiedererkannt, so gut und verändert habe sie ausgesehen, und sei ihr nachgestiegen. Die ganze Stadt wäre hinter ihr her gewesen, allen voran der Sexschweizer sowie Kai, die Flumie-Boys und natürlich Flum selber. Kim habe so jung wie noch niemals zuvor gewirkt und Abend für Abend gelacht. Von Depressionen keine Spur. Alle möglichen Trottel riefen mich in München an, um mir ausgerechnet das mitzuteilen.

Erst glaubte ich es nicht, aber als sogar mein Freund Stephan Ohr, der mir ja nichts Böses will, damit ankam, packte ich meine Koffer. Eine halbe Stunde später war ich auf der Autobahn."

"...Und jetzt ist Kim wieder depressiv und einsam?"

"Ja! Stell dir vor!"

Ich hätte hinzufügen können: seitdem will sie nichts mehr von mir wissen. Aber das wollte ich mir nicht antun. Cornelia sagte nichts. So gab ich eine offizielle Erklärung ab, wie sie es in Bezug auf den Gangstervater getan hatte

"Ist natürlich schrecklich. Aber es ist nun einmal so: eine Freundin fühlt sich immer wohl, wenn der Freund weg ist, ist doch klar! Soll ich deswegen für immer in München bleiben? Gewiß nicht! Außerdem wäre der Zustand gleich ein anderer und die Freude hätte ein Ende." Sie stimmte mir aufrichtig zu.

Nachdem wir noch eine dreiviertel Stunde über Musik, Kultur, Theater, Literatur und so weiter gedröhnt hatten, fuhr ich sie zum Saxophonüben in die andere Hälfte, der Stadt. Ihr eigenes Auto - ein schwarzes BMW-Cabriolet – war in der Werkstatt. Als wir uns verabschiedeten erstarrte ihr Gesicht - zum erstenmal an dem Tag - zu der berüchtigten unbeweglichen "lachenden" Fratze. Ich ließ mir aber nichts anmerken, lächelte und trat das Gaspedal bis auf das unterste Blech durch; fast hätte ich es vor Schreck durch das Chassis gestülpt. Brüllend röhrte der Panzer nach vorne.