
Liebe kommt an
Ich war am Boden und starb. Und als ich ich starb, hörte ich Liebe kommt an gebracht von einem der unterbezahlten Boten. Ich war allein...
Das Fritz Brinckmann Buch 80 - Das Ende
80. Kapitel 2. 6. 1978 Wie alles ausging: Ich habe das Schreiben und Grübeln dann seinlassen und habe andere Sachen gemacht. Ich bin...
Das Fritz Brinckmann Buch 79
79. Kapitel 18.5.1978 Ein Weiterlaufenlassen wie bisher wäre falsch. man sollte mehr konkrete Interessens- gemeinsamkeiten haben, damit es nicht weiterhin zu überschwappenden Theoriedebatten kommt, die mich überfordern, mich häufig zum 'Verlierer' stempeln und mir langsam alle Lust rauben. Daher die Idee, eine Arbeitswohnung zu beziehen, Diedrich, Stephan und ich. Freizeit und Theorie draußen in der Welt, beim Kapitalismus und bei den Knackis sowie dem Restprozent, Arbeit u
Jetzt als Taschentuch
Sie gab ihr Leid heraus als nasses Taschentuch und zeigte es zerknüllt auf der Messe des Papierkorbs. Vollkommen gibt das Knäuel die...
Das Fritz Brinckmann Buch 78
78. Kapitel 11.5.1978 Der Spaziergang mit Annerose am 12. Januar 1978, vier Tage, bevor wir uns trennten, an einem Sonntagnachmittag, bei trübem Schnee-Regen-Wetter: Aus der Idee heraus, ausnahmsweise einmal ehrlich zu sein, gab ich endlich zu, demnächst von ihr wegziehen zu wollen, sie allein in der vertrockneten Wrangelwohnung zurückzulassen, meine Pläne selbst - ohne sie - auszuführen. Dann gingen wir in der menschenleeren Sonntagnachmittagsstadt bei Regen, Schnee und D
Das Fritz Brinckmann Buch 77
77. Kapitel 9.5.1978 Gestern bekam ich unerwarteten Besuch. Jemand hatte, an diesem wunderschönen Tag mit Cinemascope-Himmel, die Klingel neben der Haustür gedrückt, ohne sich den Weg bis in meiner Wohnung zu machen. Also trat ich aus dem Flur ins Treppenhaus und beugte mich über das Geländer. Ich mußte meine Augen zusammenkneifen, um zu erkennen, welches Gesicht dort unten in der Dunkelheit zu mir heraufschaute. Es war etwas Grünes, ein kleines Männchen im grünen Umhang un
Das Fritz Brinckmann Buch 76 (a)
76. (a) Kapitel 14.4.1978 Bin immer noch bei der Post, aber das Konzept vom schnellen Nebenverdienst ist wohl hin. Muß Montag um sofortigen Urlaub bitten. Ist die einzige Chance, nicht gekündigt zu werden. Übernächsten Montag kann ich es mit einer neuen Tour noch einmal versuchen, werde dann wohl auch bis Mai durchhalten und 3.000,-- Mark kassieren, was ein Argument sein sollte. Die Post hat mir Geld und eine neue Ordnung gebracht (Schulden bezahlt, rückgemeldet und versich
Halte Abstand
Berühmt ist der Weißdorn am Wegrand. Bienen fliegen zu ihm hin und Hummeln durchsuchen die Blütentaschen und wimmeln sie ab, die ärgsten...
Das Fritz Brinckmann Buch 76
76. Kapitel 27.3.1978 Osterspaziergang mit Bruder Eckart E.: Was mich immer wieder bedrückt, ist die Diskrepanz zwischen Buchwelt und Weltwelt. Ich: Du meinst, wenn du ein Buch gelesen hast und - E.: Genau. wenn man dann merkt, daß das alles nur Kompensation - Ich: Diskrepanz! Man muß es dazu nicht kommen lassen, muß die Welt mit den Augen des Buches sehen. E.: Das geht bei Sachen, Straßen, Städten, nicht bei Menschen. Und wenn doch, so setzt es Kühle voraus. Ich: Ja. E.:
Das Fritz Brinckmann Buch 75
75. Kapitel Bericht aus der Arbeitswelt 13.3.1978 „Heinzi“ ist niemand anderes als Heinz Rühmann, dieselbe Statur, dieselbe Mentalität, dieselbe Asexualität, das Bärtchen, das Fahrrad, die Uniform. Heute in der U-Bahn: Ein flachsblondes Mädchen, große Nase, fliehendes Kinn, unterhält sich mit einem Anachronismus von Mann, Hornbrille, Aktentasche, Nazi-Schnitt, Stock, es fehlt noch: ADOX-Fotoapparat und Shorts. Sie redet, er stützt sich im Sitzen auf den Stock. hört aufmerk
Das Fritz Brinckmann Buch 74
74. Kapitel Bericht aus der Arbeitswelt 15.3.1978 Heute war ich ausgeschlafen und pünktlich, heute langweilte mich der Ablauf. Schon wieder dieselbe Strecke. Es gab heute etwa fünfzig Prozent mehr zu tun als sonst, die Kollegen waren nervös und brüllten. Beim geliebten Sortieren dagegen eine bemerkenswerte Szene: verliebte Schweine! sie glaubten sich wohl unbeobachtet und turtelten herum, ohne daß sie selbst es wußten. Sie waren beide verschämt und unsicher, suchten krampf
Das Fritz Brinckmann Buch 73
73. Kapitel 6.3.1978 Heute fing ich einen „Job“ an - den ersten meines Lebens. Die Überraschung konnte nicht größer sein: es war alles sehr LSD-artig, filmhaft, sehr sinnlich, erotisch. Die gelben U-Bahnen mit den Menschenmassen, die Abteile überfüllt mit Schülern und Schülerinnen, die voll jugendlichen Übermuts einem neuen Tag in ihrem jungen Leben bla bla… Es dämmert, ich erreiche die Vorstädte, Deutschland liegt wie von Handke beschrieben in ungeahnter Modernität und Saube
Herbsttag
Über dem Schulgebäude das Gefühl beschützter Weite im Licht und Wind einer Pappel. Heute scheint mein Horizont erweitert. Kröne mich mit...
Das Fritz Brinckmann Buch 72
72. Kapitel 28.2.1978 Das Wetter war schön, Kiebitze piepsten frech von den Telegrafenstangen der Überlandleitungen, Lerchen flogen hoch droben in den Lüften, der Frühling war ausgebrochen, noch im Februar, und ich hatte von der schneewittchenhaft-schönen Kolltochter geträumt. Stephan T. Ohrt und ich wollten Fotografien machen, ich räkelte mich aus dem Bett, blickte erwartungsfroh auf die Kamera, die auf dem Nachttisch stand, und öffnete die großen, zum Garten führenden Flü
Das Fritz Brinckmann Buch 71
71. Kapitel Auf dem Balkon stehen und schwarze Zigaretten rauchen. Im 9. Stock wohnen und niemanden grüßen müssen. Alle Welt ist so langweilig, so durchschnittlich, so dröge - da muß ich einen Diedrich einfach bewundern, wenn er frisch und einfallsreich bleibt. Er akzeptiert die Durchschnittlichkeit, bearbeitet sie, montiert sie zu neuen Kombinationen. Ich dagegen: zu wenig Gegenwelt gebildet. Die einzige Chance zur Besserung ist die Diedrich-Umkehr-Montage. Aus dem Drögen e
Das Fritz Brinckmann Buch 70
70. Kapitel 22.2.1978 Es ist zuende mit Elenor! Glaube ich. Nach wie vor standen sich unsere Körper koloßartig gegenüber, und es war an mir, mit den „Zärtlichkeiten“ zu beginnen. Konzentrieren konnte ich mich nie, immer dachte ich an tausend Dinge, ich bekam keine Beziehung zu ihr. Gestern trafen wir uns bei Jan und Eva, zum Fotovergrößern. Elenor hatte Petra mitgebracht, ein alleinstehendes, nicht dummes Mädchen, das ein bißchen wie Diedrich aussieht. Ich vergaß wieder, El
Das Fritz Brinckmann Buch 69
69. Kapitel 21.2.1978 Diedrichs Theorieküche hat einen neuen Zentralbegriff hervorgebracht: "Gegenwelt". Grund genug, ihn zum Gespräch zu laden. Ich: Was meint das, „Gegenwelt“? D.: Praktisch: sich nicht von momentanen Zuständen drankriegen zu lassen, auch im Stress und im Dreck die 'Gegenwelt' im Kopf haben ... zu wissen, daß es das gibt, diese Gegenwelt. Dazu muß man natürlich viele Erfahrungen gemacht haben. Ich: Auf deutsch: Auch wenn man acht Stunden lang Eisenträger






