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Das Fritz Brinkmann Buch 30

30. Kapitel 1. November 1977 Ich hatte Telse, Kerrin und Kelle im Seminar getroffen und war mit Telse zu ihrer Wohnung gefahren. "Eine leichte Sache", dachte ich. Ich würde mich schon in keine verkrampften Gespräche einlassen. Tatsächlich bewegte ich mich zunächst in der fremden Wohnung "wie zu Hause", telefonierte mit Diedrich, Nici und Sylvana, machte Abendbrot, rochierte zwischen den Zimmern. Dann aber saß ich doch Telse von Angesicht zu Angesicht gegenüber und meine hei

Das Fritz Brinkmann Buch 29

29. Kapitel 27. Oktober 1977 Gestrandet! Angela und ich an einem Tisch sitzend, jeder auf seinem Platz, weiße Wände, Uhrenticken, Gespräch. Die Tür hatte ich hinter mir geschlossen. Es war 23 Uhr 30, wir waren allein, im ganzen Haus rührte sich nichts mehr. Die Szene hätte auch im Auto, oder bei Tag, oder in einem Hotelzimmer? Nein, nicht Hotelzimmer... Wichtig war, daß wir allein waren und nichts weiter zu tun hatten als zu reden. Wie ehrlich ich doch bin! Wie unfähig zu red

Das Fritz Brinkmann Buch 28

28. Kapitel 25. Oktober 1977 Schrecklich: letzte Nacht schlief ich allein. Sylvana, die mit mir schlafen wollte, sprang im letzten Moment ab, weil ich, in der entscheidenden Sekunde, mir eine Zigarette anzündete, anstatt sie anzusehen. Am Abend davor hatte ich noch mit Simone geschlafen, hatte aber am darauf folgenden Tag Kopfschmerzen. Heute schließlich machte ich noch kein einziges Mädchen an. Schon gestern, bei den Kopfschmerzen, hatte ich keinen russischen Blick mehr, nur

Das Fritz Brinkmann Buch 26 und 27

26. Kapitel Kleiner Exkurs: Immer wieder sagt A.: Wenn du doch bloß nicht weggelaufen wärst damals, alles wäre anders gekommen!“ Die Antwort auf diese ewige Geschichtsverzerrung muß lauten: "Mit dem Abgang von der Schule hast du dich für einen Lebensstil entschieden, der meinen Interessen entgegenstand, und du hättest es mühelos durchgesetzt, mir diesen Lebensstil aufzuzwingen. Ende meiner Selbstentfaltung wäre das gewesen mit der Folge des Stumpfsinns, der Depression, der L

Die dritte Strophe

Ich singe nur die dritte Strophe meiner Biographie, sprach ich ihr ins Mikrophon, das leise zitterte. Schon mal kein schlechter Einstieg,...

Das Fritz Brinkmann Buch 24 und 25

24. Kapitel 20.10.1977 Brief an Angela Marcus, Gärtnerstraße 52. Liebe Angela, „eindringliches Geflüster“ nannte ich es, als ich die erste Nacht im Seekamp schlief, morgens um 6 der Wecker klingelte und nicht der verschlafene, sacht grunzende Marc wach wurde, sondern du. Über eine Stunde ging das, und mir wurde klar, trotz Drogenkopf, daß da ein quicklebendiges Mädchen am Werk war, gesund, liebevoll und lebensfroh, ein Wesen, das das Leben schätzt und die Destruktion bekämpft

Farbige Faxe

Wüßte unser Freund, daß sein Dramolett "Beim Psychiater" bei uns auf schweinchenrosa Papier ankam, hätte er es sicher umgeschrieben. Auch...

Das Fritz Brinkmann Buch 23

23. Kapitel 19. Oktober 1977 Inzwischen ist der dritte Uni-Tag und der achte Simonetag und alles nervt mich: Mit Simone habe ich eine richtige Zweierbeziehung, die fünfzig Prozent des Tages kostet. Der Rest ist Uni, jedoch wird es weniger... heute war ich kaum noch da, gestern vielleicht drei Stunden, vorgestern sieben. Neue Leute lerne ich nicht mehr kennen, weil... auch noch Diedrich und Annerose da sind. Annerose raubt mir wertvolle Stunden, Diedrich verhindert neue Unik

Das Fritz Brinkmann Buch 22

22. Kapitel 16. Oktober 1977 Weiter die Geschichte von meiner Transplantation in eine fremde Welt (wird mich das fremde Gewebe abstoßen?). Also: Maria und ich saßen in der Küche, ich hatte gerade die letzten Seiten geschrieben. Ich wußte nicht, wie ich es anfangen sollte. Viel Geduld hatte ich nicht, schon bald griff ich zu den Seiten und zeigte sie ihr (während ich dies schreibe, sitze ich im ersten Stock des Seekamp, unten spielt Ton Steine Scherben, das Telefon klingelt,

Das Fritz Brinkmann Buch 21

21. Kapitel 14. Oktober 1977 Eben tauschte ich die Carola-Bücklers-Küche gegen den Fußboden von Angeles Zimmer: mal sehen, ob es tatsächlich "vibrations" gibt. In der Küche jedenfalls wurde ich matt und schwach. "Wenn man Hilfe braucht, allein bleiben!", dieser Ingrid-Oesten-Rat wurde gestern Nacht noch widerlegt. Dreißig Minuten lang setzte ich mich in die Ecke und schrieb wahllos Zeilen auf unsauberes Seekamppapier, und schon wurde ich ein bißchen lebendiger. Im Hintergrund

trenes

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Das Fritz Brinkmann Buch 20

20. Kapitel 12. Oktober 1977 Einen ganzen Tag lang fuhr ich U-Bahn, änderte ein ums andere mal mein Ziel, schon die Ahnung eines blonden Mädchenhinterkopfes ließ mich die Bahn wechseln. Wie ein Betrunkener, Frischverliebter oder Selbstmörder nahm ich Kontakt zu fremden Menschen auf. Mit drei Jugendlichen fuhr ich eine Stunde lang bis nach Barmbek, ein Mädchen wollte ich gerade zum Tee einladen, als ich von einem Kontrolleur erwischt wurde und aussteigen mußte. Das Mädchen,

Unverkaufte Filmrechte

Dass du es hattest, lässt mich ertragen, es nie gehabt zu haben. Treue ist eine tödliche Waffe, die mit einem Handschlag tötet. Ich denke...

Das Fritz Brinkmann Buch 19

19. Kapitel 6. Oktober 1977 Das Treffen mit Prof. Dr. Hillmann macht mir Sorge. Annerose und die Französin sind wieder da, ich fahre sie durch den Rush-hour-Verkehr, zu Thorsten, fahre selbst nach Hause, mache mir eine weitere Kanne Kaffee und schreibe ein Konzept für das Gespräch mit dem Professor. Dann fahre ich hin, erfahre jedoch, daß ich noch einer Dreiviertelstunde warten müsse. Unschlüssig und vom vielen Kaffee zermürbt, streife ich durch die Universität. Endlich ist

Das Fritz Brinkmann Buch 17 und 18

17. Kapitel 5.9.1977 Annerose las soeben die letzten fünfzig Seiten. Ihr Kommentar war das bekannte katholische Lächeln. Sagen tat sie nur eins: "Und was wird nun endlich aus unserem Thema? Wann ziehst du aus?" Ich war sprachlos und 'stumm vor Wut'. Wie peinlich für, wie lächerlich ich mich gemacht hatte... egal, wie gut oder klug ich geschrieben hatte, es war und blieb lächerliches Tagebuchschreiben, also hochgradig pubertär. Zur Rede stellen konnte ich sie auch nicht, son

Porsche der Herzen

für Stephen O'Connor Steig in mein kleines Auto ein und wirf den totgesagten Motor an. Mit eigener Hand hab ich ihn ausgebaut, zerlegt...

Das Fritz Brinkmann Buch 16

16.Kapitel 2. September 1977 Annerose war gestern abend nicht verabredet. Sie blieb allein und sah fern. Vorher hatte sie gefragt, was ich vorhätte, und ich log: Rendez-vous mit Nele. Prompt verstanden wir uns, sie wurde aufgekratzt, kitzelte mich, quälte mich, vergewaltigte mich, hielt mich auf, wollte wissen, ob ich sie noch gern hätte Endlich konnte ich gehen. Tja, wie war das möglich, wie hatte es angefangen? Vielleicht damit, daß ich eine Nacht mit Annerose hinter mir

Das Fritz Brinkmann Buch 15

15. Kapitel 30. August 1977 Es war also so, daß ich mich nicht rauswerfen lassen wollte. Hier, an diesem Punkt wollte ich die Auflösungsentwicklung stoppen. Genauer gesagt wollte ich diese Entwicklung schon immer stoppen, nur dachte ich bis jetzt, durch Nachgeben mehr zu erreichen. Es hatte damals damit angefangen, daß ich nicht auf John 'eifersüchtig' war, daß ich ihn freundlich behandelte und ins Kino ging,"damit ihr beide euch mal etwas aussprechen könnt.“ Als ich vom Ki

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