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Das Fritz Brinckmann Buch 68

68. Kapitel 20.2.1978 In der Nacht von gestern auf heute gelang es mir erstmalig, Diedrich und Nici, aus einem Versteck heraus, zu belauschen. Ich hatte laut "Tschüß!“ gerufen und die Tür zugeknallt, war aber in Wirklichkeit in der Wohnung geblieben. Ich hockte in der dunklen Küche und nickte für kurze Zeit ein, dann schlich ich in das Zimmer, aus dem die Stimmen kamen. Diedrich und Nici lagen auf dem Bett und bemerkten mich nicht. Sie hatten die Gesichter einander zugekeh

Dinner

Lautlos gleitet das Boot am Tisch vorbei. Jenseits des Glases gespendeter Wein. Jubel am anderen Ufer des Sees. Die Frau des Lyrikers...

Das Fritz Brinckmann Buch 67

67. Kapitel 16.2.1978 Nicht nur Stephan kämpft mit dem Kreislaufcollaps. Auch ich bewege mich jeden Tag schwerfälliger. Aber die große Feier bei Lickfetts, Elenors Eltern, wollte ich mitnehmen. Dunkler Anzug, polierte Schuhe, Krawatte, Manschettenknöpfe. Ehering abnehmen… Warum hatten sie mich eingeladen? Hielten sie mich tatsächlich für den richtigen Umgang für ihre Tochter? Dann konnten es kaum so feine Leute sein, wie ich annahm. Ulf Bertheau hätte es mir sagen können. C

Das Fritz Brinckmann Buch 66

66. Kapitel 8.2.1978 Ich sitze gerade an Stephan Ohrts Schreibtisch, hoch über Hamburg, Leopoldstraßengefühl. Es dämmert (dunkelblauer Himmel mit roten Schlieren), Autoscheinwerfer, Geschäftsauslagen, ein Düsenflugzeug startet und blinkt, viele Menschen, die U-Bahn. Nie habe ich etwas gegen diese Welt gehabt, das ist ja das Verrückte. Selbst in den grauesten Situationen habe ich nicht eine Sekunde lang etwas von meinem Optimismus verloren, prinzipiell. Man muß nur wollen. W

Sammelt das Licht

Ein Stadion am Stadtrand sammelt das Licht. Ein Schlauchboot am Strand sammelt das Licht. Zehn Besucher der Lesung sammeln das Licht....

Das Fritz Brinckmann Buch 65

65. Kapitel 6.2.1978 Um sieben Uhr morgens holte ich „Schnapsnase“ Ohrt aus dem Bett. Es war eine tiefschwarze menschenleere winterliche Nacht von Freitag auf Sonnabend, noch viele Stunden bis Sonnenaufgang und noch mehr, bis die ersten Menschen aufstanden, kein Wunder also, daß Stephan seinen Wecker überhört hatte und nunmehr völlig groggy in der Tür stand, die Flasche in der Hand. Er nahm einen Schluck und bot mir auch an. Ich tat, als bemerkte ich es nicht und blieb mit

Das Fritz Brinckmann Buch 64

64. Kapitel 31.1.1978 Grandiose Augenblicke, etwa wenn ich abends in eine Philosophie-Vorlesung gehe und kein Wort verstehe. Oder mich bei Wendt einschleiche- und den jungen Menschen zusehe, wie sie in Unbefangenheit und Anmut ihre Pirouetten drehen (draußen wartet der neue VW-Golf). Ja, ja, Alleinsein hat etwas Großes. Warum sollte ich nicht so weitermachen? Ich habe hundert Mark und kann in jedes Kino, jedes Theater gehen.

Tarzan und Jane

Wir hätten zusammenrücken können, um einander das Zittern zu nehmen und dir draußen eine Zigarette zu geben. Ich bin Kurator, du bist...

Das Fritz Brinckmann Buch 63

63. Kapitel 29.1.1978 Es hört nicht auf mit der jungen Elenor Lickfett, es ist wie verhext. Gestern machte sie Babysittin‘ bei ihrer Schwester, hatte das Haus für sich (uns) allein. Ich fuhr also hin, um es wenigstens einmal probiert zu haben (vielleicht vögelte es sich doch besser als zu vermuten war). Irgendwo Bargteheide. Eine seltsame Gegend. Wir gingen spazieren. Atelierlandschaft, verschleierter Mond, dampfende Sümpfe, alles Kitsch. Enten schwammen in stiller Größe vo

Das Fritz Brinckmann Buch 62

62. Kapitel 27.1.1978 Elinor und kein Ende: Schließlich kam sie aus der Fahrschule, es war der helle Blödsinn... Ich riß, wenn immer ich daran dachte, die Augen auf, versuchte, ein "lachendes Gesicht“ aufzusetzen, auch erlebten wir "Abenteuer" und - Trotzdem senkte sich der Abend zum Schlechten. Elenor äußerte, sie fühle sich so „beengt“, sie wolle aus dem Auto springen, doch auch die Straßen waren ihr so eng, die ganze Stadt. Wir sahen „Unterm Holderbusch (das einzige, zu

Das Fritz Brinckmann Buch 61

61. Kapitel 26.1.1978 Liebe ist eine Krise der Berührungsorgane sagt Gottfried Benn undich sollte mal danach handeln, ich bin ja völlig hinüber, zehn Tage ohne Annerose. Durchaus in diesem Sinne fuhr ich gestern zu Mia Matzen. Doch das später. ich bin hinüber, ohne Zweifel, so wie Bruder Eckart. Die Hormone drehen durch, der Magenkrebs beginnt: Auch den ganzen Mittwoch drehte ich meine Runden in dieser hochakuten Hypochondrie, versorgte Geist und Körper mit Tagebuch und M

Das Fritz Brinckmann Buch 60

60. Kapitel 25.1.1978 Alles läuft ab, wie ich es geplant habe. Ich sitze in der Albert-Schweitzer-Schule, warte auf das Sado-Girl, habe noch zwanzig Minuten bis zur Pause. Morgens, wenn die großen Flügeltüren zum Park geöffnet werden und das Frühstückstablett neben mein Bett gesetzt wird, bei der ersten Tasse Kaffee also, wenige Sekunden nach dem Erwachen, kann ich sehr klar denken, der ganze gestrige und der ganze kommende Tag entstehen geordnet in meinem Kopf. Ich sehe da

Das Fritz Brinckmann Buch 59

59. Kapitel 24.1.1978 Gestern Annerose wiedergetroffen. Sie sprang an mir hoch wie ein junger Hund. Erstmals, da wir uns tagelang nicht gesehen hatten, fielen mir ihre vielen Sommersprossen auf, das ganze Gesicht ist ja voll davon, sehr lustig. Bei der vorwiegend sensuellen Ausrichtung ihrer Sinnesorgane blieb ihr gar nichts anderes übrig, als mich mit Händen und Füßen in einen Hauseingang zu drücken und mich von oben bis unten zu befingern, an mir und um mich herumgleiten,

Morgenlied

Sonnenstand: normal. Nichts Neues in allen Himmelsrichtungen. Dennoch haben die jubelnden Massen dem Dichter wieder die Amsel geschickt....

Das Fritz Brinckmann Buch 56

56. Kapitel 21.1.1978 Jetzt endlich ein paar Zeilen über meine derzeitige Freundin Elenor. Schließlich sage ich mir seit Tagen: Alles nur Kongestion, bis auf dieses Schulmädchen, das ist real und bleibt. Nur muß ich aufpassen, daß es mir nicht doch entschlüpft. Schludrige Terminplanung: Anette setzte ich auf günstige Uhr, Samstag, und Mrs. Hochpubertät Elenor, mit der auszukommen viel schwieriger ist und die man mit Entertainment, rasenden Fahrten und Tingeltangel zu beschä

Das Fritz Brinckmann Buch 55

55. Kapitel 20.1.1978 Mein vormaliges Ziel - ran an die kleinen Mädchen! - habe ich, quasi als Nebeneffekt, erreicht. Gestern erfolgte der Vertragsabschluß mit Elenor. Zwischen zwei Terminen fand ich noch die Zeit, das vorgestern vereinbarte Rendezvous einzuhalten. Ich hetzte Ios, kam, vom Großstadtverkehr aufgehalten, viel zu spät (warum bewegt sie sich auch in einer Gegend wie Wandsbek-Duvenstedt-Großhoistenbüttel!), rannte ihr mit hängender Zunge entgegen und schleifte s

5 Euro

für Joachim Fünf Euro waren seine Rettung. Als die Sterne über dem Kontinent kreisten flüchtete er unter den Torbogen und betrachtete den...

Das Fritz Brinckmann Buch 54

54. Kapitel 19.1.1978 Wie senkte sich gestern gegen Nachmittag, Stunde um Stunde, wie eine dröge Todesmetapher die Uni-Betonlandschaft über meine Stirn! Nirgends lief mehr ein Seminar, die Mensazeit war vorbei und der ganze Komplex wie leergefegt, nur hier und da noch scheue, blasse Gesichter. Ein Arbeiten, ein Erleben gar wurde immer unmöglicher. So war es zweifellos sehr glücklich, daß ich von einem dieser blassen Studenten zwanzig Pfennige schnorren konnte und Annerose

Privatpool

Die Mauer wirft den Schatten auf den Grund und der Wind knüpft Maschen in ein Netz aus Licht. Der Dichter ruht am Rand. Die Mauer...

Das Fritz Brinckmann Buch 53

53. Kapitel 18.1.1978 Blick links aus dem Fenster des Lesesaales: grauer Beton, mit keiner seelischen Energie besetzt. Ein Gefühl wie das Ansehen amerikanischer Serienkrimis: Verlorenheit. Ich ging über zu Primärliteratur, las eine halbe Stunde Benn. Kurios: Benn interessiert mich brennend, immer wieder finde ich mich vor einem Bennbuch sitzend, aber doch überfliege ich alle Zeilen, bin mit den Gedanken woanders, weiß nicht einmal, ob ich nicht alles zum zweiten- oder xtenm

Das Fritz Brinckmann Buch 52

52. Kapitel 14.1.1978 Ich: Ja. Immer nett sein. Nett und freundlich. Ja. Annerose: Wo kommst du her? Ich: Ich war mit Nici und dem Dingsda weg, ich bin mit ihr und dem… na du weißt schon, dem Dings... im Auto rumgefahren, kreuz und quer. Die schöne Nici saß vorne. Annerose: Die dämliche Nici! Ich: Die geheimnisvolle Nici... Annerose: Die doofe Nici, die doofe häßliche Nici! Ich: Die schöne geheimnisvolle Nici... Annerose: Einen - Kuß. Einen - Kuß. Äää! Ich: Was macht Triefa

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